Schulfirma
„Wiecherts Wichtel“ an der Ernst-Wiechert-Hauptschule
Donnerstag, 8.03 Uhr im Kellerwerkraum der
Ernst-Wiechert-Hauptschule
Heinrich Pankraz, EWS-Schüler und Abteilungsleiter
Endmontage der Schulfirma „Wiecherts Wichtel“ der E-W-Hauptschule hat die (Schüler-)Leiter
der übrigen Abteilungen zu einer kurzen
Sitzung zusammengerufen.
Heinrich Pankraz: „Wir haben heute noch 70
TT-Balleimer zu versenden. Ich habe gerade mal geschaut, 23 Balleimer sind
komplett fertig, wir müssen also heute noch 47 fertigstellen. Mit den
Lagerbeständen an Einzelteilen kommen wir aber nicht ganz hin. Vor allem fehlen
von den großen Handgriffen noch 32 Stück. Bei den kleinen Handgriffen sieht es
deutlich besser aus, da fehlen nur 12 Stück. Samuel, das ist deine Abteilung,
kannst du die fehlenden Teile schnell liefern? “
Samuel Krüger: „Die kleinen Handgriffe sind
überhaupt kein Problem, die müssen nur noch geschliffen werden und bekommen
danach noch das Haltegummi aufgetackert. Das können wir innerhalb von 20
Minuten leisten. Etwas schwieriger ist es mit den großen Handgriffen, davon
haben wir zwar 24 fast ganz fertig, aber die restlichen müssen wir noch
komplett verleimen, bohren und mit dem Haltegummi versehen. Außerdem fehlen
noch 4 Trapezhölzer. Die müssen noch gesägt und geschliffen werden. Tobias das
ist deine Abteilung, könnt ihr uns die Trapeze innerhalb von 20 Minuten fertig
machen?“
Tobias Pauls: „Das ist kein Problem. Sägen
dauert nur wenige Minuten und einer meiner Leute kann direkt anschließend das
Schleifen übernehmen. Um 08.30 Uhr sind die Dinger fertig.“
Heinrich Pankraz: „Dann fehlen uns noch 21
Blechgelenke. Fatih, wie sieht es mit den Blechen aus, könnt ihr die möglichst
schnell fertig machen?“
Fatih Civez: „Das sollte klappen, wenn wir
an beide Bohrmaschinen können. An einer bohren wir die Bleche, an der anderen
können wir sie dann entgraten. Samuel, könnt ihr auf die kleine Bohrmaschine
verzichten. Sonst schaffen wir das nicht?“
Samuel Krüger: „Ganz können wir nicht auf
die Bohrmaschine verzichten, da wir zumindest die vier fehlenden Trapezhölzer
noch bohren müssen. Das dauert aber nur eine Minute und steht erst in etwa 20
Minuten an. Wenn ihr uns dann mal kurz an die Maschine lassen könnt, sollte das
klappen.“
Heinrich: „Gut, wenn alle an einem Strang
ziehen, müssten wir heute liefern können. Sollte es doch noch zu Problemen
kommen, meldet euch bitte frühzeitig, vielleicht können wir uns dann
gegenseitig helfen.“
Damit ist die Abteilungsleitersitzung
beendet und die Teilnehmer gehen in ihre Abteilungen, um das Tagesziel mit
ihren Mitarbeitern zu besprechen und anschließend die fehlenden Teile zu
fertigen.
Seit fast vier Jahren besteht die
Schulfirma „Wiecherts Wichtel“ an der Ernst-Wiechert-Hauptschule bereits.
Begonnen hat alles, als sich die EWS-Lehrer Elke Kleemiß und Wolfgang Jürgens
Gedanken machten, wie sie ihren Schülern Einblicke in die Wirtschafts- und
Arbeitswelt geben könnten.
„Theoretisch über Arbeit und Wirtschaft zu
sprechen, ist eine Sache, sich damit in der Praxis auseinander zu setzen eine andere.
Erkenntnisse aus eigener Erfahrung zu gewinnen, ist viel effektiver als ein
noch so interessanter theoretischer Unterricht“, begründet Elke Kleemiß das
Schulfirmenprojekt an der Espelkamper Hauptschule.
Aller Anfang war schwer. Zunächst musste
eine zündende Geschäftsidee her und dann die Ausstattung der Schulfirma
realisiert werden. Die Geschäftsidee war recht schnell gefunden, der in der
Freizeit als Tischtennisjugendtrainer tätige EWS-Lehrer Wolfgang Jürgens hatte
in seiner Trainerpraxis einige praktische Trainingshilfen entwickelt, die man
jetzt in der Schule fertigen wollte. Im Laufe der Zeit entwickelten sich zwei
dieser Produkte als marktfähig und werden nun mehr seit fast vier Jahren für
einen Sportartikelhändler aus Porta Westfalica gefertigt. Zum einen handelt es
sich um einen Ballsammler, mit dem man auf dem Boden liegende Tischtennisbälle
einfach und bequem aufsammeln kann. Zum anderen kam kurze Zeit später ein
Balleimer hinzu, der sich mittels einer überdimensionalen „Wäscheklammer“ am
Tischtennistisch befestigen lässt. Dadurch kann der TT-Trainer während des
Trainings am Tisch immer auf genügend Bälle zurückgreifen.
„In der Fertigung ging es von Anfang an
hauptsächlich um den Gesichtspunkt des „qualitätsorientierten Arbeitens“. Wenn
unsere Schüler im Technikunterricht Werkstücke herstellen, stellen sie diese
Dinge in aller Regel für den Selbstgebrauch her. Auf Mängel an diesen
Werkstücken angesprochen, wird den Lehrern sehr oft entgegnet, dass sie (die
Schüler) mit der Qualität ihres Werkstückes zufrieden wären, für sie selbst
würde es so völlig ausreichen.
In der Schulfirma zählt dieser Standpunkt
nicht, alle wissen, diese Produkte sollen verkauft werden, da muss schon eine
gute Qualität her“, beschreibt Lehrer Wolfgang Jürgens das pädagogische
Grundkonzept der Schulfirma.
Die notwendige Ausstattung mit Werkzeugen
und Geräten erarbeitete sich die Schulfirma zum Teil selbst, zum Teil fanden
sich aber auch Sponsoren, die hilfreich zur Seite standen. Den größten
finanziellen Brocken konnte man mit Hilfe der Lions-Clubs Espelkamp – Rahden
und Espelkamp –Lübbecke bewältigen. Aufgrund einer entsprechenden Spende konnte
eine Druckluftanlage mit leistungsfähigem Kompressor angeschafft werden.
Selbst angefertigt wurden dagegen ca. 10
Vorrichtungen zum Bohren, Leimen und für die Endmontage. Diese Vorrichtungen
garantieren eine gleichbleibende Qualität, unabhängig davon, wer an diesem
Fertigungsschritt beiteiligt ist.
Eine neue Dimension erschloss sich die
Schulfirma durch ein von der Stiftung „Partner für Schule“ finanziertes
Projekt. Nachdem in den ersten Jahren die Produktion im Vordergrund stand, sind
die Schüler seit diesem Schuljahr auch in die Planung und Organisation
eingespannt.
Elke Kleemiß umreißt den Ansatz: „Wir haben
zusammen mit den Schülern inzwischen viel mehr Gesichtspunkte einer realen
Firma in unsere Arbeit eingebracht. Die Schüler müssen jetzt ihre Arbeit selbst
planen, dokumentieren und wichtige Entscheidungen selbst treffen. Wir Lehrer
sehen uns jetzt nur noch als Aufsichtsratmitglieder, die nur noch eingreifen,
wenn irgendwas völlig aus dem Ruder läuft.“